\documentclass[a4paper,12pt]{article}
\usepackage[latin1]{inputenc}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage{color}
\usepackage{ngerman}
\usepackage{graphicx}
\usepackage{ae,aecompl}

\begin{document}

\definecolor{Blue}{rgb}{0.,0.,1.}
\newcommand{\url}[1]{\texttt{\textcolor{Blue}{\underline{#1}}}}

\title{Mobile Code}
\author{Georg Lukas\\
Seminar Ubiquitous Computing\\
Universität Magdeburg}
%\date{2003-01-29}
\date{2003-11-16}
\maketitle

\begin{abstract}
Auf dem Markt existieren zahlreiche Werkzeuge zur Entwicklung mobilen Codes,
die zum Teil unterschiedliche Anforderungen erfüllen und nicht für jedes
Szenario alle benötigten Funktionen bieten.  Ziel dieser Ausarbeitung ist es,
eine Klassifizierung dieser Werkzeuge vorzustellen, und an praktischen
Beispielen zu zeigen, wie man diese Klassifizierung anwendet. Insbesondere wird
auch auf Paradigmen, Sprachen und Sicherheitsaspekte eingegangen.
\end{abstract}

\renewcommand{\baselinestretch}{0.0}
\tableofcontents
\renewcommand{\baselinestretch}{1.0}
\clearpage

\section{Einführung}

In den letzten Jahren gab es einen starken Schub in der Entwicklung von
Computernetzen und daran gebundener Geräte. Zu nennen sind neben
Netzwerkdruckern, DSL-Modems und WLan-AccessPoints auch PDAs, Handys und bald
auch zentral gesteuerte Haushaltsgeräte, die mit immer mehr Speicher und
schnelleren Prozessoren ausgestattet werden.

Dieser Entwicklungsschub wurde jedoch nicht von einer vergleichbaren
wissenschaftlichen Entwicklung im Bereich des Softwaredesigns für vernetzte
Systeme begleitet, was zum einen dazu führte, dass die verwendete Terminologie
nicht einheitlich ist oder sich überlagert, zum anderen aber, dass die
eingesetzte Software nicht optimal an die Verbreitung und die neuen Fähigkeiten
der Hardware angepasst ist.

Der Schwerpunkt dieses Artikels ist \emph{Code Mobility} -- die Fähigkeit, die
Bindung zwischen Code-Fragmenten und dem Ort ihrer Ausführung dynamisch zu
verändern. Dabei wird auch auf die Unterschiede und Ähnlichkeiten zu anderen
Verfahren eingegangen.

Das weit verbreitete Client-Server-Paradigma sollte hinterfragt werden, wenn
Clients immer mehr eigene Ressourcen haben, und die zentralen Server nicht mit
der Auslastung skalieren können -- hier können die im nächsten Abschnitt
vorgestellten Alternativen für Abhilfe sorgen. Danach geht es um die
grundlegenden Kriterien von Mobile-Code-Systemen, also Sprachen und Umgebungen,
die Code-Mobilität erlauben. Wichtig dabei ist auch der Sicherheitsaspekt bei
der Ausführung von nicht vertrauenswürdigem Code, auf den der vierte Abschnitt
eingeht. Schließlich wird dann darauf eingegangen, wie diese Kriterien von
existierenden Mobile-Code-Systemen umgesetzt werden.


\clearpage
\section{Paradigmen}

Das Design-Paradigma, welches man für eine Anwendung wählt, hat Einfluss auf
alle weiteren Schritte der Entwicklung, daher sollte die Entscheidung für ein
bestimmtes Paradigma wohlüberlegt sein. Weiterhin sollte das verwendete Werkzeug
an dem Paradigma ausgerichtet sein -- es ist zwar auch möglich, mit nicht
angepassten Tools Programme nach einem Designmuster zu schreiben, allerdings
muss man dabei die musterspezifische Funktionalität selbst implementieren, statt
sie vom Entwicklungssystem oder der Programmiersprache übernehmen zu können.

Im Folgenden werden drei Paradigmen vorgestellt, die Code-Mobilität umsetzen,
und miteinander sowie mit dem Client-Server-Modell verglichen. Um die Auswahl
des passenden Konzepts zu erleichtern, werden hier Methoden vorgestellt,
nach denen die Praxistauglichkeit von Paradigmen für eigene Szenarios
untersucht werden kann.

Um die Klassifizierung zu erleichtern, werden hier mehrere Begriffe definiert:

\begin{itemize}
\item \emph{Komponenten} sind die Grundeinheiten dieser Strukturierung. Sie
unterteilen sich in \emph{code components}, die ausführbare Algorithmen
enthalten, \emph{resource components} (Daten oder Gerätetreiber) und
\emph{computational components}, welche in der Lage sind, Code-Komponenten
auszuführen.

\item \emph{Sites} sind Orte zum Speichern und Ausführen von Komponenten. Sie
besitzen zu diesem Zweck meist eigene computational components. Sites werden
durch reale oder virtuelle Maschinen repräsentiert.

\item \emph{Interaktionen} sind Ereignisse oder Nachrichten, die zwischen
unterschiedlichen Komponenten ausgetauscht werden -- man unterscheidet zwischen
lokalen und site-übergreifenden Interaktionen, wobei die ersten mit kleinerem
Aufwand (und damit kleineren Kosten) verbunden sind.
\end{itemize}

Um Code ausführen zu können, muss sich die entsprechende
Co\-de-\-Kom\-po\-nen\-te zusammen mit allen benötigten Daten und Ressourcen
auf einer Site befinden. Ferner wird dazu eine Rechenkomponente benötigt. Die
einzelnen Paradigmen unterscheiden sich darin, wo sich die Komponenten vor
Anfang der Ausführung befinden, und wohin das Ergebnis der Ausführung
kommuniziert wird.

Die Eignung eines Paradigmas für ein konkretes Problem sollte man daran
bemessen, welcher Aufwand nötig ist, um alle zur Berechnung erforderlichen
Komponenten auf die ausführende Site zu bewegen, und dann das Ergebnis an den
Empfänger mitzuteilen. Der Aufwand kann über die Interaktionskosten gemessen
werden, die wiederum vom Umfang und der Entfernung der zu transportierenden
Daten abhängen.

\subsection{Client-Server}

Das in Computer-Netzen am weitesten verbreitete Paradigma ist das
Client-Server-Modell. Obwohl es keine Code-Mobilität anbietet, wird es hier
wegen seiner Bedeutung und als Referenz aufgeführt.

Bei diesem Modell befindet sich ein Teil der Datenkomponenten vor der
Ausführung auf dem Client, Code- und Rechenkomponente sowie weitere Daten sind
dagegen auf dem Server. In einer ersten Interaktion übermittelt der Client
seine für die Berechnung erforderlichen Daten an den Server, der dann die
Code-Komponente ausführt, und das Ergebnis -- wiederum eine Daten-Komponente --
an den Client zurückschickt.

Dieses Paradigma ist mit zwei Nachteilen verbunden. Zum einen ist der Server
ein Single Point of Failure, so dass bei Ausfall oder Überlastung alle Clients
betroffen sind. Zum anderen ist die Schnittstelle zwischen Client und Server
starr vorgegeben -- ein Client kann nicht davon abweichen, um
Interaktionskosten zu sparen, weil er nur eine Teilmenge der Daten braucht, und
er kann nicht Informationen erhalten, die bei der Entwicklung der Schnittstelle
nicht bedacht wurden. Weiterhin muss das Protokoll auf beiden Seiten
einheitlich implementiert sein, Erweiterungen müssen immer beidseitig erfolgen,
um genutzt werden zu können.

\subsection{Code On Demand}

Das Code-On-Demand-Modell (COD) sieht eine zentrale Speicherung des Codes vor.
Wenn auf einer Site Daten vorliegen, die bearbeitet werden müssen, so fordert
sie die benötigten Code-Komponenten vom zentralen Server an und arbeitet den
Algorithmus mit lokalen Daten und Ressourcen auf der lokalen Rechenkomponente
ab. Danach kann die Code-Komponente entweder verworfen oder für zukünftige
Berechnungen zwischengespeichert werden, wobei man dabei vor der nächsten
Ausführung das Vorhandensein einer aktualisierten Version auf dem Server
überprüfen muss.

Dieses Modell setzt wie das vorangegangene einen zentralen Server voraus,
der auch hier eine Schwachstelle darstellt. Allerdings muss er nur
Code-Komponenten ausliefern und braucht weder komplizierte
Berechnungen\linebreak[4]
durchzuführen, noch große Mengen an Daten oder Ressourcen vorzuhalten.

COD bietet sich an, wenn auf einer großen Menge an Rechnern häufig
modifizierte oder aktualisierte Software laufen soll -- damit werden von Hand
durchgeführte Updates aller Systeme unnötig. Außerdem lässt sich das Modell
einsetzen, um Nutzungsgebühren nach tatsächlicher Beanspruchung zu erheben,
z.B. durch einen Application Service Provider.

\subsection{Remote Evaluation}

Remote Evaluation (REV) ist ein Modell des Software-Designs, bei dem sich die
für eine Berechnung erforderlichen Daten und Ressourcen auf einer entfernten
Gegenstelle befinden, und die Site, die an dem Ergebnis der Berechnung
interessiert ist, die Code-Komponente hat. Diese muss an die entfernte Site
geschickt und dort ausgeführt werden, damit das Ergebnis zurück an die
Quellsite übermittelt werden kann.

Auch dieses Verfahren hat Ähnlichkeiten zu Client-Server, die Datenspeicherung
und Verarbeitung läuft zentral ab, und kann eine hohe Belastung des Servers
mit sich bringen. Allerdings bietet das Modell dafür flexiblere Möglichkeiten,
mit den Daten umzugehen, so dass effizient formulierte Code-Komponenten weniger
Last verursachen und die Netzanbindung weniger beanspruchen, da nur die
wirklich relevanten Daten zurückgeliefert werden müssen.

\subsection{Mobile Agents}

Der Begriff \emph{mobile agent} oder \emph{mobiler Agent} ist in
unterschiedlichen Forschungsbereichen mit abweichenden Bedeutungen belegt,
so wird er z.B. in der KI-Forschung genutzt, um selbständige ,,Intelligenzen''
zu beschreiben.

In diesem Dokument ist ein mobiler Agent (MA) eine Code-Komponente zusammen mit
eventuellen Daten-Komponenten, die auf eine entfernte Site übertragen und dort
ausgeführt werden können, um dort vorhandene Ressourcen zu nutzen und die
eigenen Daten zu verändern oder Interaktionen durchzuführen.

Dieses Paradigma macht es möglich, einen MA auf einer fremden Site
einzusetzen, damit dieser unmittelbar auf Ereignisse auf dieser Site
reagieren kann. Der Versender des MA kann dabei seine Site abschalten oder die
Verbindung zum Netz trennen, der Agent kehrt dann erst mit den Ergebnissen
zurück, wenn die Verbindung wieder aufgebaut wurde. Alternativ kann er aber
auch Ereignisse sofort an seinen Urheber signalisieren.

\clearpage
\section{Mobile Code Systems}

\emph{Mobile Code}-Systeme (MCS) sind Sprachen und Umgebungen, die Mechanismen
zur Unterstützung von Code-Mobilität anbieten. Solche Systeme müssen
Schnittstellen für die oben erwähnten Elemente -- Komponenten, Interaktionen und
Sites -- bereitstellen, bzw. diese implementieren. Dazu gehört eine Abstraktion
von den Netzwerkprotokollen, die Möglichkeit für den Code, die aktuelle
Ausführungsposition zu erfragen oder sogar zu ändern, die Verwaltung von
Speicher und Ressourcen, einschliesslich der Möglichkeit, Ressourcen zwischen
Komponenten zu teilen. Ausserdem sollte das MCS von der tatsächlich vorhandenen
Hardware abstrahieren, damit der mobile Code auf unterschiedlichen Plattformen
laufen kann. 

Man unterscheidet zwischen \emph{schwacher} und \emph{starker
Code-Mobilität}:

\begin{center}
\includegraphics[width=\textwidth]{mobile_code1}
\end{center}

\begin{itemize}

\item \emph{schwache Code-Mobilität} bedeutet, dass nur statische Daten und
Code übertragen werden können, und der Code nach der Übertragung ausgeführt
wird. Dabei wird unterschieden, ob die Aktion von der versendenden oder von der
empfangenden Site initiiert wurde, und ob Code-Fragmente oder selbständige
Anwendungen übertragen werden.

\item \emph{starke Code-Mobilität} dagegen erlaubt die Migration von laufenden
Prozessen. Läuft der Prozess nach seiner Migration auch auf der Quell-Site
weiter, so spricht man von \emph{Clonen}. Weiterhin kann eine Migration
\emph{proaktiv}, vom Mobile-Code selbst, oder \emph{reaktiv}, also durch
Einwirkung von außen, eingeleitet werden.
\end{itemize}

Die Übertragung von laufendem Code auf ein anderes System erfordert ein
ausgeklügeltes Ressourcen-Management, welches Bindungen zwischen dem Code und
Ressourcen nach der Migration neu aufbaut oder der Anwendung signalisiert, dass
sie ungültig geworden sind. Die Entscheidung kann aufgrund von zwei Kriterien
gefällt werden, das erste ist, welche Bindung die Anwendung zur Ressource
eingegangen ist:

\begin{itemize}
\item\emph{über Typ} -- nur die Art der Ressource spielt eine Rolle, das System
kann stillschweigend diese Ressource durch eine gleichartige auf dem Zielsystem
besser erreichbare ersetzen. Solche Ressourcen können Temporärspeicher oder
site-lokale Einstellungen repräsentieren.
\item\emph{über Wert} -- der Inhalt der Ressource ist relevant, sie kann bei der
Migration auf das Zielsystem kopiert werden. Auf diese Weise lassen sich
statische Daten ,,mitnehmen''.

\item\emph{über Namen} -- die Ressource ist eindeutig gekennzeichnet, nach der
Migration muss -- sofern überhaupt möglich -- genau diese Ressource wieder
angesprochen werden können. Über diese Form der Bindung könnte ein Mobile Agent
z.B. ein Fenster auf seinem ,,Heimsystem'' geöffnet halten und nach seinen
Migrationen Status-Updates in diesem Fenster ausgeben.
\end{itemize}

Das andere Kriterium beim Wiederaufbau einer Bindung ist die
,,Bewegungsfreiheit'' der Ressource, die von ihrer Art und ihren Eigenschaften
abhängt:

\begin{itemize}
\item\emph{not transferrable} - eine solche Ressource kann ihre Site nicht
verlassen, da sie physikalisch daran gebunden ist. Peripheriegeräte wie Drucker
oder Monitor sind nicht transferierbar.

\item\emph{fixed, transferrable} - diese Ressourcen können zwar auf eine andere
Site kopiert, jedoch nicht vom Ausgangssystem gelöscht werden.

\item\emph{free, transferrable} - solche Ressourcen lassen sich frei
übertragen.

\end{itemize}

Dem System stehen unterschiedliche Verfahrensweisen zur Verfügung, wie mit
einer Ressourcenbindung bei der Migration verfahren werden kann:

\begin{itemize}
\item\emph{verwerfen} ist die einfachste Art, die Bindung wird einfach für
ungültig erklärt.
\item als \emph{Netzbindung} wiederherstellen, also die ursprüngliche Ressource
für das migrierte Programm transparent weiter bereitstellen.

\item\emph{re-binding}, Binden an eine lokale Ressource des gleichen Typs.
\item\emph{duplizieren}, Erstellen einer Kopie auf der Zielsite.
\item\emph{verschieben}, Duplizieren und Löschung des Originals.
\end{itemize}

\clearpage
Die folgende Tabelle fasst zusammen, welche Verfahrensweisen in Abhängigkeit
von Ressource und Art der Bindung verwendet werden können:\\\\
{\centering
\begin{tabular}{|l|l|l|l|}
\hline
&\multicolumn{3}{c|}{Art der Bindung}\\
Ressourcenart&über Typ&über Wert&über Namen\\
\hline
not transferrable&re-binding&Netzbindung&Netzbindung\\
&(Netzbindung)&&\\
\hline
fixed, transferrable&re-binding&duplizieren &Netzbindung\\
&(duplizieren,&(Netzbindung)&\\
&Netzbindung)&&\\
\hline
free, transferrable&re-binding&duplizieren&verschieben\\
&(duplizieren,&(verschieben,&(Netzbindung)\\
&verschieben,&Netzbindung)&\\
&Netzbindung)&&\\
\hline
\end{tabular}
}\\

Die eben vorgestellten Merkmale werden nicht von allen MCS implementiert, meist
schränken die Sprachen die Flexibilität der Res\-sour\-cen-An\-bin\-dung ein.
Daher ist der Umfang, in dem obige Eigenschaften in einer Sprache vorhanden
sind, ein weiteres Kriterium, an dem die Sprache ausgewählt werden sollte.

\clearpage
\section{Sicherheit bei Mobile Code}

Die Sicherheit ist ein sehr wichtiger Aspekt für Mobile-Code-Umgebungen, da
unterschiedliche Code-Komponenten, die auf der selben Site laufen, sich nicht
gegenseitig stören dürfen, selbst wenn ein Teil des Codes aus nicht
zuverlässigen Quellen stammt. Man unterscheidet zwei wichtige Aspekte der
Sicherheit:

Unter \emph{safety} versteht man die Sicherheit vor Fehlern im Code oder in der
Umgebung. Safety sollte auf Betriebssystemebene, in der Programmiersprache, im
dazugehörigen Binärcode, und zur Laufzeit sichergestellt werden.

Dagegen wird unter \emph{security} die Sicherheit gegenüber Angriffen
verstanden. Security erfordert ein funktionierendes Safety-Konzept, da bei
einem Angriff sonst Lücken im System ausgenutzt werden können, geht aber noch
weiter, da man auch übermäßige Ressourcen-Nutzung und andere Attacken
ausschliessen muss. Nach \cite{rusgan} wird security in vier Ziele unterteilt,
die ein MCS einhalten muss:

\begin{itemize}
\item\emph{Vertraulichkeit} - Schutz vor dem Ausspionieren von Daten
\item\emph{Integrität} - Schutz vor Veränderung
\item\emph{Verfügbarkeit} - Sicherstellung des Betriebs
\item\emph{Authentizität} - Echtheit der Daten und des Urhebers
\end{itemize}

Die Sicherheit hängt von allen Schichten eines Systems ab, sie ist eine Art
Kette, die ein Angreifer an der schwächsten Stelle aufbrechen kann. Daher muss
sie auf jeder Ebene beachtet werden.

Auf der \emph{Kommunikationsebene} bei vernetzten Systemen kann, um safety zu
gewährleisten, ein gegenüber Fehlern robustes Protokoll eingesetzt werden.
Security spielt eine Rolle, wenn Datenverbindungen über nicht vertrauenswürdige
Sites gehen, wo Abhören oder Manipulation möglich ist. Durch Verwendung
kryptographischer Verfahren zur Authentifizierung der Gegenstellen und zur
Verschlüsselung der Daten (z.B. IPSec oder SSL), kann soetwas ausgeschlossen
werden. Es ist jedoch nicht möglich, Verfügbarkeit zu garantieren, wenn man
nicht alle Sites unter Kontrolle hat.

Das \emph{Betriebssystem} muss auch einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit
leisten. Durch die Verwendung (und Verwaltung) von
Hard\-wa\-re-Spei\-cher\-schutz können einzelne Prozesse voneinander isoliert
werden, so dass sie nur über die Betriebssystem-Schnittstellen miteinander
kommunizieren können und gegenseitige Störungen nicht möglich sind. Die
Schnittstellen sind allerdings vom verwendeten Betriebssystem abhängig, was
plattformübergreifende Entwicklung erschwert. Ausserdem ist
Hardware-Speicherschutz auf vielen portablen Geräten wie Mobiltelefonen und
PDAs, die ein wichtiges Ziel von Mobile-Code-Anwendungen sind, nicht vorhanden.

In diesem Fall kann eine \emph{abstrakte Maschine} eingesetzt werden, die den
unsicheren Code interpretiert, unzulässige Zugriffe abfängt, und damit einen
Speicherschutz in Software bietet. Eine solche Maschine bietet weiterhin eine
einheitliche Schnittstelle für Programme, die nicht von der verwendeten
Plattform oder Architektur abhängig ist, und damit gute Voraussetzungen für
Mobile Code bietet. Sie benötigt aber einen Zwischencode, der von ihr
interpretiert wird, was mit deutlich höherem Aufwand verbunden ist, als
direkte Ausführung durch die CPU.

Die Sicherheit kann auch auf Ebene der \emph{Programmiersprache} verbessert
werden. Dazu muss die Sprache unsichere Elemente wie Zeigerarithmetik und
Speichermanagement aus den Händen des Programmierers nehmen, und weitere
Überprüfungen wie z.B. von Array-Grenzen vorsehen. Wenn die
Sicherheitsüberprüfung nur zur Compile-Zeit stattfindet, darf der erzeugte
Binärcode durch spätere Manipulationen nicht für andere Anwendungen gefährlich
werden. Ausserdem sollten Sprachkonstrukte mit Zugriff zur lokalen Site nicht
uneingeschränkt nutzbar sein, und die Verwendung von Ressourcen sollte sich
durch die Site begrenzen lassen.

Diese Sicherheitskriterien, die für die Ausführung fremden Codes besonders
wichtig sind, sind ein weiteres Kriterium zur Auswahl der richtigen
Programmiersprache, und der dazugehörigen Laufzeitumgebung.

\clearpage
\section{Programmiersprachen}

Dieses Kapitel wendet die oben dargestellten Klassifizierungsverfahren
für Mobile-Code-Systeme beispielhaft auf drei Programmiersprachen an, besonders
wird auf die Sicherheit der Sprachen eingegangen. Weitere Sprachen lassen sich
nach dem selben Muster untersuchen und einordnen.

\subsection{JAVA}

JAVA\cite{java} ist eine von Sun entwickelte objektorientierte Sprache. Die
primären Ziele bei der Entwicklung waren ein klares Objektmodell, eine für
viele Entwickler verständliche C-ähnliche Syntax und Plattformunabhängigkeit,
die durch die Verwendung von binärem Zwischencode (Bytecode) sichergestellt
wurde.

Der Bytecode einer JAVA-Anwendung wird durch die JVM (Java Virtual Machine)
interpretiert, die gleichzeitig eine Abkapselung von der ausführenden Site
darstellt, also eine Sandbox. Es existieren JVMs für zahlreiche Plattformen,
auch für mobile Geräte wie Handys oder PDAs.

Das Objektmodell von JAVA ist klassenbasiert, und die Standardumgebung bringt
viele Klassen für Arbeit mit Ressourcen und für Benutzer-Interaktionen mit.
Weitere Klassen können zur Laufzeit automatisch oder explizit vom laufenden
Code angefordert werden. Sie werden dann durch den \emph{class loader}, der
Teil jeder JVM ist, nachgeladen.

Die Bekanntheit von JAVA ist auf die leichte Integration in Webseiten
zurückzuführen. Dabei werden JAVA-Applets in ein HTML-Dokument eingebettet, der
dafür notwendige Code wird vom Webserver geladen und lokal in der Browser-JVM
gestartet. Dies ist eine Form schwacher Code-Mobilität, bei der Code-Fragmente
empfangen und ausgeführt werden. Dadurch, dass dabei keine Bindungen zu dem den
Code beherbergenden Server erhalten bleiben, entfällt die Notwendigkeit einer
komplexen verteilten Ressourcen-Verwaltung.

Es existiert jedoch mit der JAVA Aglets API\cite{jaapi} eine von IBM
entwickelte Erweiterung, die proaktive Code-Migration und Ressourcenübertragung
durch duplizieren erlaubt, sich aber auch nur auf schwache Mobilität beschränkt.

Zum Safetykonzept von JAVA gehört, dass auf unsichere Elemente in der Sprache
weitgehend verzichtet wurde. Es gibt keine Zeigeroperationen und unsichere
Typumwandlungen, unions und der von C bekannte Präprozessor wurden ebenfalls
nicht implementiert. Das Speichermanagement wurde dem Programmierer komplett
aus der Hand genommen und Zugriffe auf Felder und Strings müssen immer von der
JVM auf ihre Zulässigkeit überprüft werden.

Fehlerzustände werden durch Exceptions behandelt, die den Code-Ablauf im
Fehlerfall unterbrechen und an dem entsprechenden Exception Handler fortsetzen
-- das erleichtert dem Programmierer den Umgang mit Laufzeitproblemen, und
schützt gleichzeitig davor, dass in unvorhergesehenen Fehlersituationen Code
ausgeführt wird, der das Problem nicht berücksichtigt.

Zugriffe auf Ressourcen der lokalen Site dürfen nur durch bestimmte Klassen
vorgenommen werden, die zur Laufzeitumgebung gehören und nicht ableitbar sind,
und damit weder erweitert noch manipuliert werden können. Die Rechte, die
diesen Klassen zustehen, werden vom \emph{SecurityManager} kontrolliert, der
vom Benutzer konfiguriert werden kann.

Obwohl JAVAs Sicherheitskonzept vielversprechend ist, und von der virtuellen
Maschine bis zum Sprachdesign greift, ist es hauptsächlich auf die Ausführung
von Applets ausgerichtet und macht deshalb Unterschiede zwischen über das Netz
und von Festplatte geladenen Klassen. Außerdem sieht es einige Dinge, wie die
Beschränkung des Arbeitsspeichers oder der Prozessorzeit nicht zu.

% FIXME!
\clearpage
\subsection{Telescript}

Die Sprache Telescript\cite{telescript} wurde 1996 von General Magic mit dem
Ziel entwickelt, virtuelle Marktplätze realisieren zu können. Sie ist wie JAVA
klassenbasiert und objektorientiert, ihr Schwerpunkt liegt jedoch auf
Kommunikation.

Die Sprache setzt starke proaktive Code Mobility um, und verwendet dafür eine
portable Zwischensprache namens \emph{Low Telescript}. Objekte in dieser
Zwischensprache (\emph{agents}) können zwischen Sites (die sich jeweils aus
einer \emph{Engine} und ineinander verschachtelbaren \emph{Places}
zusammensetzen) bewegt werden. Dafür gibt es die Befehle \emph{go} und
\emph{send}, mit denen ein Agent proaktiv auf ein anderes Place migrieren oder
sich dorthin klonen kann. Dabei werden die von dem Agenten benutzten Ressourcen
zusammen mit ihm migriert, und die Bindungen auf der lokalen Site verworfen.

Das auf Metaphern der realen Welt basierte Konzept wird auch bei der Abrechnung
der Ressourcennutzung durchgesetzt: jede Ressource und jeder Agent haben einen
Besitzer, der die Kosten der Benutzung zu tragen hat. Damit ein Agent auf ein
anderes Place migrieren kann, benötigt er zuvor ein \emph{Ticket}, in dem das
Ziel und eventuell die Route spezifiziert sind.

Ein Place kann entscheiden, ob es einen ankommenden Agenten akzeptiert oder
ablehnt. Im positiven Fall setzen sich die dem Prozess erlaubten Aktionen aus
dem Mengen-Durchschnitt der \emph{Permit}s der engine, aller verschachtelten
Places und von dem Agenten selbst. Diese regeln seine maximale Verweilzeit und
Speicheraufnahme, aber auch ob der Agent weiterwandern, Unterprozesse erstellen
und die Permits anderer Prozesse beeinflußen darf.

Damit auch andere Einflüsse ausgeschlossen werden, läuft jeder Prozess in einem
eigenen Kontext in der engine, so dass alle Aktionen zwischen unterschiedlichen
Prozessen nur über eine einheitliche Schnittstelle der engine stattfinden.
Zusätzlich stellt die engine sicher, dass Objekte durch einen Absturz oder
Neustart nicht gefährdet werden.

Das Sicherheitskonzept von Telescript ist von Anfang an in das Sprachdesign
eingearbeitet worden. Es beachtet sowohl safety als auch security - ein Bug in
einem Objekt kann keine anderen Objekte beeinflussen, und Angriffe auf fremde
Objekte oder die Systemressourcen sind durch die einheitliche
Kommunikationsschnittstelle und durch die Ressourcenbegrenzung kaum möglich.
Allerdings ist ein solches Sicherheitskonzept für eine Sprache, deren
Entwicklungsziel die Darstellung von Marktplätzen ist, in denen mit realem Geld
umgegangen wird, auch zwingend notwendig.

\clearpage
\subsection{Safe-TCL}

Im Gegensatz zu den oben vorgestellten Sprachen ist Safe-TCL\cite{stcl} eine
(prozedurale) Scriptsprache, d.h. es existiert weder ein Zwischencode noch eine
Binärform.  Safe-TCL wurde als MIME-Erweiterung vorgesehen, um E-Mails mit
aktiven Inhalten versehen zu können, und stellt eine Abwandlung von TCL mit
eingeschränktem Funktionsumfang dar.

Da die Verbreitung von Safe-TCL-Code mit E-Mails stattfindet, existieren in der
Sprache keine Elemente zur Steuerung der Code-Mobilität. Es ist lediglich über
die zusätzlichen MIME-Angaben möglich, zu bestimmen, ob das Script beim
Versenden, beim Empfangen oder beim Ansehen der E-Mail ausgeführt werden soll.
Bei der alternativen Verbreitungsform über Webseiten, wo die Interpretation im
Browser stattfindet, fallen diese drei Phasen zusammen.

Die Syntax von Safe-TCL entspricht der von TCL, entsprechend existieren auch
keine Zeiger mit unsicheren Operationen, und der einzige vorhandene Datentyp
ist String. Numerische Operationen sind mit einer Konvertierung zu Zahlen und
wieder zurück zu Strings verbunden, und auch Programmcode wird mit Strings
repräsentiert. Das macht die Variablenverwaltung einfacher und unanfälliger
gegen Fehler, erhöht aber immens die Verarbeitungszeit. Variablen können dabei
immer entweder global oder in der aktuellen Funktion lokal sein.

Der Funktionsumfang von TCL wurde für Safe-TCL angepasst, um nicht
vertrauenswürdigen Code ausführen zu können. Dabei wurden alle Funktionen von
TCL auf ihre Eignung überprüft und entweder eliminiert oder durch weniger
generische ersetzt. So gibt es statt vollem Dateizugriff nur einen Mechanismus
um Konfigurationsdaten zu schreiben und zu lesen, der ähnliche Funktion wie
die Cookie-Speicherung in Webbrowsern bietet.

Um eine Abgrenzung zwischen Safe- und vollständigem TCL zu gewährleisten,
existieren für beide Varianten eigene Interpreter, wobei der
Safe-TCL-Interpreter nur sichere Funktionen implementiert. Dadurch ist dieser
kompakt und lässt sich leichter in eigene Systeme einbinden.

\clearpage
\section{Zusammenfassung}

Zuerst hat diese Arbeit dargelegt, dass Code-Mobilität durch die
fortschreitende Entwicklung digitaler Netzwerke eine Daseinsberechtigung hat
und eine höhere Aufmerksamkeit seitens der Wissenschaft verdient.

Dann wurden Methoden vorgestellt, nach denen sich Paradigmen für Mobile Code
unterteilen lassen, und wie man ihre Eignung für die eigene Problemstellung
einschätzen kann. Als typische Paradigmen wurden ,,Client-Server'', ,,Remote
Evaluation'', ,,Code on Demand'' und ,,Mobile Agents'' vorgestellt.

Der nächste Abschnitt befasste sich mit Gliederungsmöglichkeiten für Mobile
Code Systeme, also den Code-Mobilität unterstützenden Sprachen und ihren
Umgebungen. Da wurden die Migrationsmöglichkeiten von Code und die dabei in
Frage kommenden Verfahren zum Ressourcenmanagement untersucht.

Im vierten Kapitel wurden die bei Mobile Code besonders wichtigen
Sicherheitsaspekte untersucht. Es erfolgte eine Unterteilung in die vier
Schichten Kommunikation, Betriebssystem/Hardware, abstrakte Maschine
und\linebreak[4]
Programmiersprache, für die jeweils auf safety und security, also Sicherheit
vor Fehlern und vor bewußten Angriffen, eingegangen wurde.

Im letzten Abschnitt wurden dann die zuvor gezeigten Verfahren der
Klassifizierung auf die als Beispiel ausgewählten Programmiersprachen JAVA,
Telescript und Safe-TCL angewandt. Dabei wurden die unterstützten
Migrationsformen von Code und Daten, aber auch die Aspekte der Sicherheit auf
den unterschiedlichen Schichten betrachtet.

\vline

Wenn man die beste Umgebung zur Implementierung einer Problemlösung sucht,
sollte man sich zunächst für das sinnvollste Paradigma zur Umsetzung
entscheiden. Diese Entscheidung kann erleichtert werden, wenn man die Lösung
nach unterschiedlichen Paradigmen modelliert und die anfallenden
Interaktionskosten betrachtet.

Daraufhin sollte man aus den möglichen Mobile Code Systemen das auswählen,
welches das passende Paradigma am besten umsetzt.  Dabei gilt zu beachten, dass
man nicht zwingend auf eine vollständig vorhandene Implementierung aller
Möglichkeiten angewiesen ist, sondern diese in einem gewissen Rahmen auch
selbständig nachgerüstet werden können. Dafür sollten dann aber Betrachtungen
der gebotenen und der erforderlichen Sicherheit in die Entscheidung einfließen.

Die letztendliche Implementierung kann durch eine geschickte Auswahl von
Paradigma und Umgebung erleichtert werden, ganz entfallen wird sie aber nicht.



\begin{thebibliography}{8}
\addcontentsline{toc}{section}{\refname}

\bibitem{ucm}A. Fugetta, G.P. Picco, G. Vigna,,Understandig Code Mobility'',
  IEEE Transactions On Software Engineering, Vol. 24, No. 5, May 1998.
\bibitem{plmc}T. Thorn, ,,Programming Languages for Mobile Code'', ACM
  Computing Surveys, Vol. 29, No. 3, Sep 1997.
\bibitem{rusgan}D. Russell, G.T. Gangemi Sr., ,,Computer Security Basics'',
  1991, O'Reilly \& Associates Inc., Sebastopol, CA.
\bibitem{java}Sun Microsystems, ,,The Java Language: An Overview'',
  Technical Report, 1994, Sun Microsystems.
\bibitem{jaapi}\url{http://www.trl.ibm.com/aglets/}
\bibitem{telescript}J.E. White, ,,Telescript Technology: Mobile Agents'',
  Software Agents, J. Bradshaw, ed. AAAI Press/MIT Press, 1996.
\bibitem{stcl}N. Borenstein, ,,EMail with A Mind of Its Own: The Safe-Tcl
  Language for Enabled Mail'', technical report, First Virtual Holdings, Inc.
  1994.


\end{thebibliography}
\end{document}

